Marcel kennen Sie vielleicht von seinem Reiseblog El Mundo, wo er seine Erlebnisse, Inspirationen und praktischen Informationen, aber auch Interviews mit anderen Reisenden mit seinen Lesern teilt. Und da er sich schon bald auf sein nächstes Abenteuer begibt, haben wir herausgefunden, was er plant und worauf er unterwegs nicht verzichten kann.
Das Reisen ist für Sie zu einer Herzensangelegenheit geworden, so sehr, dass Sie angefangen haben, einen Blog darüber zu schreiben. Dienen Ihre Aufzeichnungen vor allem als Inspiration für andere oder handelt es sich um eine Art Reisetagebuch für Ihren eigenen Bedarf?
Es ist wohl 50 zu 50. Ich freue mich, wenn ein angehender Reisender den Blog liest und sich inspirieren lässt oder auf Basis meines Blogs seine eigene Reise plant. Ich schreibe aus Freude und es ist interessant, nach Jahren die eigenen Geschichten zu lesen.
Sie bereiten sich derzeit schon wieder auf eine Reise vor. Verraten Sie uns, wann und wohin es geht und inwiefern sich diese Reise von den vorherigen unterscheiden wird?
Gleich zu Beginn des Jahres 2018 fliege ich nach Lima in Peru und von dort aus starte ich eine dreimonatige Reise, die fast 5000 km lang in den Süden des Kontinents führt. Sie wird sich dadurch unterscheiden, dass sie meine längste und mutigste sein wird. Ich werde sie alleine unternehmen, mit allen möglichen Verkehrsmitteln. Ich freue mich sehr auf Patagonien, das ich mit dem Fahrrad durchqueren möchte, sowie auf die Besteigung der hohen Andenberge und Vulkane. Außerdem möchte ich während der Reise ein Buch über das Reisen schreiben.
Eine lange Reise erfordert eine gründliche Planung. Wie lange bereiten Sie sich darauf vor und was beinhaltet eine solche Vorbereitung alles?
Ehrlich gesagt, je älter ich werde, desto mehr bereite ich mich vor. Vor 7 Jahren bin ich während der Sommerferien nach Florida gegangen, um zu arbeiten. Nach ein paar Tagen rief mich eine Freundin aus Alaska an, damit ich komme und bei ihnen arbeite. Ich nahm meinen Pass und am nächsten Tag zitterte ich in Badehose und T-Shirt am Flughafen in Anchorage. Meine dreimonatige Reise nach Südamerika bereite ich schon fast ein Jahr vor. Alles begann mit dem Antrag auf unbezahlten Urlaub, der Flugbuchung, Impfungen, dem Kauf der Ausrüstung, vom Schlafsack bis hin zu Tabletten zur Wasserreinigung. Mein Rucksack hat nur 60 Liter und es wird wirklich eine Herausforderung, alles, was ich brauche, hineinzubekommen.
Gibt es eine Sache, ohne die Sie niemals irgendwohin fahren würden?
Vor der Abreise kontrolliere ich immer, ob ich meinen Pass, mein Telefon und meine Kreditkarten habe. Alles andere kann man überall kaufen. Außerdem nehme ich immer mein Reisehemd mit, das mich überallhin begleitet.
Wann haben Sie eigentlich erkannt, dass das Reisen das ist, was Sie erfüllt?
Wahrscheinlich während meiner ersten Reise nach Peru vor 5 Jahren. Bis dahin bin ich nur durch Europa gereist und habe ein Jahr lang ein Praktikum in den USA absolviert. Peru war jedoch wahrscheinlich eine „lebensverändernde Erfahrung". Plötzlich spürte ich, wie anders unsere westliche Welt ist und dass Normalität sehr relativ ist. Wir haben nur ein Leben und die meisten von uns jagen Dingen hinterher, die sie gar nicht brauchen oder nur wegen des sozialen Status besitzen. Das Reisen gibt mir persönlich ein riesiges Gefühl von Freiheit. Im Rucksack habe ich mein ganzes Leben und doch fehlt mir nichts.
Welches Reiseerlebnis war bisher am intensivsten für Sie?
Schwer zu sagen, welches am intensivsten war. Wahrscheinlich waren es die Erlebnisse, bei denen ich Angst um mein Leben hatte. In Burma hatten wir einen Motorradunfall. Unser Taxifahrer hat die Kurve nicht bekommen und wir sind direkt gegen eine Betonmauer geflogen. In diesen Sekunden zog mein ganzes Leben an mir vorbei. Schöne Erlebnisse habe ich aus Costa Rica, wo mich Peter aus der Slowakei besucht hat, der in den Baumwipfeln ein Haus gebaut hat. Drei Tage haben wir mit ihm im costa-ricanischen Dschungel verbracht und seinen Lebensgeschichten zugehört. Ein starkes Erlebnis war das Schwimmen mit Braunhaien. Unser Pirat warf ein Stück Fleisch ins Wasser und als die Haie nicht reagierten, sagte er nur, dass sie satt seien und es sicher sei.
Abgesehen davon, dass Ihnen das Reisen Spaß macht, widmen Sie sich auch der bezahlten Beratung. Ist es möglich, heutzutage, wo alle Informationen kostenlos im Internet verfügbar sind, damit reich zu werden oder sich zumindest den Lebensunterhalt zu verdienen?
Es gibt Reisende, die ihren Lebensunterhalt mit Beratung verdienen, und ein paar ausländische Blogger, die durch ihre Blogs reich geworden sind. Meine Beratung nutzen hauptsächlich Freunde und Bekannte, von denen ich natürlich nichts nehme. Das größte Einkommen stellt das Schreiben und Veröffentlichen von kommerziellen Artikeln dar.
Ihr Motto „Travel more, buy less" zeugt von Ihrer Vorliebe für Minimalismus. Dass Erlebnisse wertvoller sind als materielle Dinge, da sind wir uns einig. Glauben Sie jedoch, dass es notwendig ist, dafür um den halben Globus zu reisen? Sollten die Menschen nicht lieber lernen, sich an den kleinen Dingen des Alltags zu erfreuen und die Schönheit der Natur in ihrer Umgebung zu genießen? Schließlich sind gerade die slowakischen Berge so schön…
Ich stimme vollkommen zu. Man muss sich an den kleinen Dingen erfreuen und ich erinnere mich jeden Tag daran. Ich stamme aus Liptau und habe großen Respekt vor den slowakischen Bergen. Jedes Jahr verbringe ich daher einige Wochen in der Tatra. Mich haben schon immer die Ferne, die Natur und die hohen Berge fasziniert. Südamerika ist mein Herzensort, vor allem wegen der Kultur, der Natur und der spanischen Sprache, die mir sehr gefällt. Patagonien, wohin ich reise, ist schon seit meiner Kindheit mein großer Traum und ich denke, jetzt ist der richtige Zeitpunkt, sich diesen Traum zu erfüllen.
Vielen Dank für Ihre Zeit und Bereitschaft und ich wünsche Ihnen eine gute Reise!
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