Den Inhaber einer kleinen Familienkaffeerösterei in Kroměříž – Josef Hora – kennen wohl alle seine Kunden als einen stets positiv gestimmten Kaffeeexperten, der sehr gerne berät und bei der Auswahl sowie der Zubereitung eines köstlichen Getränks hilft. Neben der Leidenschaft für seinen Beruf ist Herr Hora auch ein begeisterter Reisender, der nicht gezögert hat, sich auf die Suche nach den Wurzeln seines Berufs zu begeben. Wie die Reisen für den Geschmack und das Aroma von Kaffee verliefen, das Entdecken der Geheimnisse des Anbaus und Röstens auf seinem „Kaffeepfad“, welche Kaffees angesagt sind und wie man sie genießen kann? All das haben wir in einem Interview gefragt.
Reisen für Kaffee ist wohl anders als klassisches Reisen. Was hat Sie zur Reise motiviert und wie würden Sie diese charakterisieren?
Es war definitiv der Wunsch nach Erkenntnis, sich an Orte zu begeben, an denen unsere tägliche Geschichte beginnt. Ich betreibe die Kaffeerösterei seit 2013 und es war wohl vom ersten Tag an mein großer Wunsch, eine der Plantagen zu besuchen und von Anfang an „dabei zu sein“. Meistens reise ich mit leichtem Gepäck ohne Vorbereitung und löse Dinge immer erst dann, wenn sie gelöst werden müssen. Manchmal ist das vielleicht ein kleiner Nachteil und diese Art zu reisen ist definitiv nicht für jeden etwas. Auf der anderen Seite ist es das richtige Abenteuer, bei dem man nicht nur das jeweilige Land kennenlernt, sondern auch sich selbst.

Welche Länder haben Sie bereits im Rahmen Ihres „Kaffeepfads“ besucht?
Die wirklich kaffeeorientierten Länder sind es bisher nicht viele – von den Anbauländern de facto nur Indien. Diesen April sollte es auch Kenia sein. Aber wie wir alle wissen, wurde im April wegen der Coronavirus-Pandemie nirgendwohin mehr gereist.
Ihre Erlebnisse von der Reise nach Indien teilen Sie mit der Öffentlichkeit über einen Vlog und einen Reisevortrag. Was interessiert das Publikum bei dem Vortrag am meisten?
Bei jedem solchen Gespräch frage ich immer, ob sich die Zuhörer mehr Kaffee oder mehr Indien wünschen. In den meisten Fällen artet es in eine endlose Diskussion aus, die manchmal sogar über 3 Stunden dauert, und es kommen die unterschiedlichsten Themen zur Sprache. Die meisten Fragen betreffen jedoch immer das Leben in Indien und die dortige Ernährung. Wer schon einmal die indische Küche probiert hat, wird sie nämlich nie vergessen. :-)
TIPP: Hat Sie der Vlog interessiert und möchten Sie mehr über Kaffee und die Reise nach Indien erfahren? Die Fortsetzung können Sie HIER ansehen.
In welchem Geist finden meist Ihre weiteren Reisen für den Geschmack von Kaffee statt? Wo hat es Ihnen bisher am besten gefallen?
Ich genieße jede Reise. Egal, ob ich zu Partnern nach Brünn fahre, für Verträge nach Hamburg oder Antwerpen oder zu Kaffeeworkshops nach Berlin. Allein mit dem Auto fahre ich jährlich mehr als 40.000 km und bis jetzt hatte ich auch das Glück, dass mit dem Auto immer auch einige Flugreisen verbunden waren. Auf fast jeder Reise trifft man interessante Menschen, probiert gutes Essen, und wenn dazu noch eine Tasse guter Kaffee kommt, dann hat das Ganze sicher keinen Fehler.
Dank der Vielfalt kann man wohl nicht sagen, wo es mir am besten gefallen hat, aber die Reise nach Indien war unglaublich bereichernd. Und dann lasse ich definitiv nichts auf die Besuche in London kommen. Die letzten vier Jahre fahre ich immer im November dorthin und besuche im Laufe von 3–4 Tagen unzählige Cafés und einige Röstereien. London ist eine erstaunliche Stadt und die Kaffeekultur erlebt dort einen unglaublichen Boom. Ohne Übertreibung kann man sagen, dass das, was man dort im Herbst entdeckt, im Laufe des nächsten Jahres auch bei uns ankommt.
Wo überall wird Kaffee angebaut und welche Tradition hat er bei uns in Europa?
Kaffee wird im Bereich des Äquatorgürtels entlang des gesamten Umfangs unseres Planeten angebaut. Insgesamt handelt es sich um mehr als 50 Länder der Welt. Wenn Ihnen jemand sagt, dass der beste Kaffee italienisch oder holländisch ist, meint er damit immer die Art der Zubereitung, nicht die Herkunft der Bohne. Manche Kaffeepflanzen reifen vielleicht sogar 14 Monate und Kaffeekirschen dürfen nicht gefrieren. Das schließt alle europäischen Länder klar aus den für den Kaffeeanbau geeigneten Orten aus. Hin und wieder versucht zwar jemand, eine Kaffeepflanze auch in unseren Breitengraden zu züchten, jedoch ist dies bisher in größerem Maßstab noch niemandem gelungen.
Die Domäne der Europäer bleibt also weiterhin „nur“ die Zubereitung und der eigentliche Konsum. Hier ist die Tradition aber bereits wirklich groß. Die ersten Erwähnungen über die Kaffeezubereitung in Europa datieren auf die Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, und ich muss sagen, dass wir in diesen hunderten von Jahren das Kaffeetrinken fast zur Perfektion gebracht haben. Dass Kaffee viel getrunken wird, überrascht wohl niemanden, aber dass gerade Kaffee die zweitmeist gehandelte Ware der Welt (gleich nach Erdöl) ist, wissen bisher nur wenige.
Wie und in wessen Kopf wurde eigentlich die Idee geboren, eine Kaffeerösterei und einen E-Shop mit Kaffee zu gründen und zu betreiben?
Wie es so ist, war auch dies ein Werk des Augenblicks. Mit der Familie betrieben wir ein Oxalis-Franchise und mit dem Wachstum der Kaffeekultur bei uns kamen von den Kunden auch anspruchsvollere Anforderungen, die nicht einfach so befriedigt werden konnten. Zuerst sprach ich eine Handelsfirma aus Brünn an. Von Anfang an war aber klar, dass wir auch hier untergeordnet sein würden, und es würde gar nicht einfach sein, auch nur an 1 kg spezifischen Kaffee zu gelangen.
Eines Sommerabends saß ich mit meinem Ostrauer Freund Aleš am Grill und erklärte ihm die aktuelle Situation. Aleš ist ein großer Kaffeeliebhaber, und so warf er einfach so im Gespräch ein, wir sollten eine eigene Rösterei machen. Im Geiste lächelte ich damals über diesen Gedanken und sagte mir etwas im Sinne von „das wird wohl nichts“. Als mich aber zwei Wochen später Aleš anrief, dass in Šenov bei Havířov, woher ich stamme, mein ehemaliger Geschäftspartner – Herr Plšek – mit dem Rösten aufhört, zögerte ich keine Sekunde.
Ich erinnere mich, dass wir uns damals mit Aleš an seiner Tür trafen und im Laufe weniger Minuten den gesamten Betrieb durchgingen. Wir lernten die grundlegende Technologie kennen, die schon damals deutlich älter und auch sehr abgenutzt war, aber angesichts meines Budgets und Wissens gab es nicht viel Auswahl. Es folgte eine intensive Schulung und Tage voller Versuche und Irrtümer. Herr Plšek hatte jedoch viel Geduld mit mir, und so kamen wir nach ein paar Wochen zum ersten Kaffee, der für den Verkauf in unserem kleinen Laden bereit war.
Wie reist so ein echter Kaffeeliebhaber wie Sie? Nehmen Sie eigenen Kaffee mit oder lassen Sie sich die Gelegenheit zum Probieren nicht entgehen?
Das Einzige, was ich mitnehme, ist ein eigener Becher. Täglich trinke ich 3 bis 4 Tassen und probiere und vergleiche sehr gerne. Darauf freue ich mich immer. Ich bin der Meinung, dass es keinen schlechten Kaffee gibt. Es gibt nur Kaffee, der mir nicht schmeckt. Ich habe schon Kaffee in den unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen und Formen getrunken, aber es ist mir noch nie passiert, dass ich einen Kaffee nicht ausgetrunken oder beiseite gestellt hätte mit der Begründung, dass man ihn nicht trinken kann. Einen Grund, einen Kaffee zu trinken, findet man immer und es ist völlig egal, ob es an einer Tankstelle, in einem Bistro am Flughafen oder in einem noblen Lokal ist, für das man nicht einmal die passende Kleidung hat.

Würden Sie sich an ein Café oder Lokal erinnern, wo man Ihnen die leckerste Tasse Kaffee serviert hat?
Sicher in der Türkei. Vor zwei Jahren war ich mit einem Kollegen in Izmir, um eine neue Röstmaschine auszuwählen. Gleich nach der Ankunft nahm uns unser Reiseleiter in ein Frühstücksrestaurant mit, wo ich zum ersten Mal echten türkischen Kaffee probierte. Ich werde nie diesen unglaublich intensiven, unglaublich bitteren und doch wahnsinnig süßen Kaffee vergessen. An diesem Tag haben wir dann noch etwa sechs davon getrunken. Bei uns kann man einen solchen Kaffee auch zubereiten, schließlich ist die Džezva (Kaffeekanne) schon Bestandteil nicht weniger tschechischer Haushalte. Keiner unserer Versuche kam jedoch jemals auch nur annähernd an das heran, was wir damals in der Türkei probiert haben.


Auf dem FB der Rösterei und des E-Shops bin ich auf ein Foto eines Kaffeestands gestoßen, mit dem Sie losziehen, um bei kulturellen Veranstaltungen für Erfrischung zu sorgen. Haben Sie einige Herzensangelegenheiten, auf die Sie sich jedes Jahr freuen?
Nun, dieses Jahr hat sich bei uns alles ein wenig verkompliziert. Nach zwei harten Monaten brechen wir diesen Samstag, den 16. 5., zu den diesjährigen ersten Bauernmärkten bei uns in Kroměříž auf. Ansonsten fahren wir mit Kaffee zu den verschiedensten Feiern und Musikfestivals. Die mag ich besonders gerne. Die Verbindung von Kaffee und guter Musik ist eine luxuriöse Sache, die mir unglaublich Spaß macht. Ich glaube, dass nach einem musikalisch „armen“ Sommer ein ausdrucksstarker und bunter Herbst kommt und dass wir alle die Kultur hoffentlich auch dieses Jahr genießen werden.
Haben Sie ein Rezept dafür, wie man in der Praxis das Trinken von ausgezeichnetem Kaffee und die Schonung der Natur verbinden kann?
Der Ökologie haben wir das ganze Jahr 2019 „gewidmet“, als wir die beliebten „Otočkelímky“ (Mehrwegbecher) eingeführt haben, verpackungsfrei gestartet sind, klassische Pappbecher mit Plastikdeckeln durch vollständig abbaubare und voll kompostierbare Becher ersetzt haben. Ebenso haben wir Plastikstrohhalme und Geschirr gegen hölzerne ausgetauscht. Menschen, die in jeden unserer Betriebe ihren eigenen Becher mitbringen, erhalten bei uns einen Rabatt auf den Kaffee, wodurch sie langfristig auch einiges an Geld sparen.
TIPP: Wenn Sie sich zu Hause oder im Büro einen ausgezeichneten Kaffee gönnen möchten, ist die Ausleihe einer Kaffeemaschine ebenfalls eine ökologische Lösung. Bei einer Mindestabnahme von 2 kg Kaffee pro Monat bietet die Rösterei Kroměříž die Möglichkeit, eine Kaffeemaschine für nur 1 CZK auszuleihen.
Das System der Mehrwegbecher hilft, die Abfallproduktion aus Einwegbechern zu reduzieren, die nicht recycelt werden können. Besteht Interesse am Service „Otoč kelímek“?
Das Interesse ist groß. Ich denke, dass die Menschen der sozialen Verantwortung immer mehr gegenüberstehen, und das ist nur gut so. Jeder eingesparte Becher zählt. Ich bin kein verbissener ökologischer Aktivist, aber wenn wir unseren Planeten nicht mehr wertschätzen, wird er uns das eines Tages alles abrechnen.
Wie bewältigen nach Ihren Erfahrungen normale Tschechen die Kaffeezubereitung? Welche Fehler im Ablauf machen wir am häufigsten?
Wir Tschechen sind eine unglaublich geschickte Nation und auf der Welt gibt es wohl nichts, was wir nicht könnten. Es reicht, sich die jüngste Vergangenheit und das Nähen von Masken anzusehen. Ich denke, jeder von uns kennt jemanden, der mindestens eine genäht hat. Ähnlich ist es auch beim Kaffee. Wir genießen gerne und haben keine Angst zu experimentieren. In den Vordergrund rücken Filter sowie Mokakanne, die neue Horizonte und Geschmäcker eröffnen.
Ich glaube nicht, dass wir bei der Zubereitung Fehler machen. Das Problem ist jedoch oft die Zeit. Da alle beschäftigt sind und ständig irgendwohin eilen, vernachlässigen sie die wichtigsten Aspekte des menschlichen Lebens, zu denen auch gehört, dass wir uns selbst mögen. Und wenn wir uns mögen, dann verwöhnen wir uns doch, spielen und genießen solche Kleinigkeiten (einschließlich Kaffee), die unseren Tag besser machen.

Dem „Türken“ hat es vielleicht schon geschlagen... Welche weiteren Arten der Kaffeezubereitung gibt es, die Sie empfehlen würden?
Türke? Also „tschechischer Türke“? Der wird hier noch lange nach uns sein. Es vergeht wohl kein Tag, an dem nicht jemand in die Rösterei kommt, um einen „Türken“ zu trinken. Und das sind nicht nur Menschen älteren Geburtsdatums. Zu ihnen gehören auch Studenten.
Arten der Zubereitung gibt es heutzutage wahnsinnig viele. Wenn wir den bereits weit verbreiteten Espresso außer Acht lassen, ist wohl die einfachste und am häufigsten verwendete die French Press. Dann folgen die verschiedensten Arten von Filtern wie V60, Chemex oder Klevráček. Ihren Platz in tschechischen Küchen haben sich auch die Mokakanne und der immer beliebtere Aeropress erobert.
In Ihrem E-Shop bieten Sie aktuell 42 Kaffees an. Welcher Kaffee oder welche Form der Zubereitung ist Ihr Favorit?
Im Rahmen der ständigen Selbstverbesserung versuche ich, alles zu trinken, was wir rösten. Nicht immer gelingt mir das aber, da wir täglich rösten und es wirklich viele Kaffeesorten gibt. Am meisten genieße ich jedoch den kubanischen Serano Lavado, Indonesien Green oder den indischen Malabar. Was die Zubereitung betrifft, so wechsle ich gerne zwischen Lungo und Americano.
Haben Sie noch einige unerfüllte Träume? Wohin würden Sie noch reisen wollen (sei es für Kaffee oder aus eigener Initiative)?
Oje, davon gibt es viele!? Als kleiner Junge träumte ich von China, jetzt ist es angesichts meiner weiteren großen Leidenschaft – American Football – New York und Cleveland. Das alles wird jetzt aber eine Weile warten müssen. Und was den Kaffee betrifft, so würde ich neben Kenia gerne nach Indonesien und noch mindestens einmal nach Indien. Die fünf Tage dort haben ohne Übertreibung meinen Blick auf das Leben verändert.
Vielen Dank für Ihre Zeit und das Gespräch. Wir drücken die Daumen, dass sich Ihre Wünsche erfüllen und es Ihnen gelingt, von Ihren Reisen weitere erstaunliche Kaffees und Erlebnisse mitzubringen.

Josef Hora
Inhaber einer kleinen Familienrösterei, dessen Antriebsmotor nicht nur Kaffee aus allen Ecken der Welt ist, sondern auch Leidenschaft und Begeisterung für American Football, Natur, Entdecken und Reisen.
„Mit Demut, Kaffee und einem Lächeln geht alles besser.“

Quelle der Fotos: Facebook und Webseite der Kaffeerösterei Kroměříž, pexels.com
Sind Ihnen Fragen eingefallen, die Sie gerne in Verbindung mit dem Reisen für Kaffee stellen würden? Schreiben Sie uns in die Kommentare!