Kaum eine ehrenamtliche Tätigkeit hat in Tschechien eine so lange und ungebrochene Tradition wie das Wandern und die damit verbundene Wanderwegmarkierung. Die Orientierung ist nicht kompliziert, man muss sie nur verstehen und sich auf den Weg machen. Wer verwaltet die Wanderwegmarkierungen? Und wie sieht es damit im Ausland aus?
Wenn man von einer Wanderwegmarkierung spricht, stellen sich die meisten Menschen drei Streifen vor, die die genaue Richtung der Route angeben. Manchmal ragen sie zwar unauffällig aus dem Gebüsch hervor und es dauert eine Weile, sie zu finden, ein anderes Mal landen sie zusammen mit dem Baum, auf den sie gemalt wurden, im Ofen, meistens sind sie jedoch zuverlässige Helfer auf dem Weg zum Gipfel.
Die beachtliche Geschichte des Klubs tschechischer Touristen
Mit der Markierung von Wanderwegen in der Natur begann der Klub tschechischer Touristen (KČT) bereits im Jahr 1888. Damals wurde er von einer patriotischen Gruppe um Vojta Náprstek gegründet, die am 11. Mai 1889 die erste Route von Štěchovice zu den Svatojánské boudy markierte. Diese wurde jedoch durch den Stausee Štěchovice überflutet, und die erste erhaltene Route ist somit die von Beroun nach Karlštejn, die heute Teil des Weges mit der Nummer 0001 ist.

Es heißt, dass die Tschechische Republik das dichteste Netz an markierten Wanderwegen hat, das regelmäßig vom KČT gepflegt und betreut wird. Heute vereint er etwa 33.000 Mitglieder – Freiwillige, die sich derzeit um 40.000 Kilometer an Wegen oder um Wanderherbergen kümmern. Die Markierungen müssen mindestens 250 Meter voneinander entfernt sein, aber die Einhaltung solcher Regeln wird manchmal durch Baumfällungen oder einen Eigentümerwechsel des Grundstücks erschwert.
Zu Fuß oder lieber zu Pferd?
Wanderwege sind bei Touristen am beliebtesten und werden am häufigsten genutzt. Die Markierungen bestehen aus drei Streifen, wobei der mittlere die Farbe der Route angibt und die äußeren weißen dazu dienen, die Markierung sichtbar zu machen. In scharfen Kurven wird ein Pfeil hinzugefügt, das Ende des Weges wird durch ein farbiges Quadrat auf weißem Feld gekennzeichnet, und auch Ruinen, Quellen, Brunnen, Gipfel oder Lehrpfade haben ihre eigene Markierung. In regelmäßigen Abständen fehlen auch Wanderwegweiser und Textwegweiser nicht.
Im Winter dienen die Wege als Skipisten. Diese Markierungen sind die gleichen wie für Wanderer, anstelle der weißen Streifen und Schilder wird jedoch eine andere Farbe verwendet – Orange. Radwege sind entweder Straßenwege mit gelber Hintergrundfarbe oder Geländewege, die identisch mit den Wanderwegen sind, aber ebenfalls auf gelbem Grund. Zu den Straßen-Radwegmarkierungen werden ein Fahrradsymbol, die Routennummer und manchmal auch Ziel und Entfernung hinzugefügt. Straßenrouten sind oft Fernrouten, dann tragen sie eine ein- oder zweistellige Nummer und manchmal auch ihr Logo.
In den letzten Jahren nehmen auch Routen für Reiter, sogenannte Hipotrails, und Wege für Rollstuhlfahrer zu. Im Jahr 2008 startete der KČT eine Sammlung für Menschen mit Behinderungen und unterhält und errichtet mit dem gesammelten Geld Wege für diejenigen, deren Beine nicht mitspielen. Es werden sogar drei Arten von Rollstuhlrouten unterschieden, deren Einteilung von der Fitness des Behinderten abhängt.

Zu Fuß vom Böhmerwald bis nach Griechenland
Auf dem Gebiet Tschechiens verlaufen drei internationale Fernwanderwege. E3 von Santiago de Compostela bis Pomezí führt auf unserem Gebiet durch das Erzgebirge, das Lausitzer Gebirge, das Riesengebirge, das polnische Eulengebirge, kehrt zum Glatzer Schneeberg zurück, in das Altvatergebirge, in die Slowakei und endet am Kap Emine an der bulgarischen Schwarzmeerküste.

E6 säumt die Ufer der Ostsee in der Nähe von Stockholm, kreuzt Marienbad, den Böhmerwald, Österreich, den Balkan und endet im griechischen Dikella. Und E10 beginnt am Kap Arkona auf Rügen, führt weiter über das deutsche Varnsdorf, das Böhmische Mittelgebirge, Prag, Budweis und endet im italienischen Bozen.
Das Banat lässt sich nicht verleugnen
Das tschechische Markierungssystem dient auch im Ausland als Inspiration. „Wir arbeiten in der Transkarpatischen Ukraine, im Kaukasus, auf der Krim, in Mazedonien oder in Serbien. Im Osten Europas ist der Tourismus im Gegensatz zum Massentourismus nachhaltig und die Infrastruktur hilft auch den Einheimischen“, sagte Kristýna Studená von der Bewegung Brontosaurus in einem Interview für das Tschechische Fernsehen.
Ebenso ausgeklügelt sind die Wege beispielsweise im rumänischen Banat oder in Kroatien. Ein Weg mit tschechischen Markierungen existiert aber auch im brasilianischen Batayporã, wo er von Jan Antonín Baťa gegründet wurde. Im Ausland wird die Route meist eher in Stunden als in Kilometern definiert, manchmal findet man aber auch eine Kombination aus beidem.

„Das Malen von Markierungen sieht vielleicht einfach aus, aber die gesamte Methodik ist ziemlich anspruchsvoll. Sie umfasst insgesamt 12 Bände an Skripten, also mehrere hundert Seiten. Als Markierer, der malt, müssen Sie vier davon beherrschen und auch Prüfungen ablegen“, beschrieb Karel Markvart vom Klub tschechischer Touristen für das Magazin 100+1. Es mag wie ein anspruchsvolles Ehrenamt erscheinen, aber dank Ihnen erlebt vielleicht jemand die schönsten Reisemomente seines Lebens.
TIPP: Wenn Sie gerne Ausflüge planen und keine gedruckten Karten besitzen, können Sie Wanderrouten einfach mit dem Routenplaner auf der Website des KČT oder direkt auf dem Portal mapy.cz suchen.
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